Alles Seife

Kleine Seifenkunde

 

Cremiger Schaum, ein zarter Duft und ein Aussehen zum Anbeißen: Naturseifen liegen im Trend. Immer mehr Menschen suchen Alternativen zu Duschgel & Co. Denn viele Wasch- und Badezusätze enthalten künstliche Farb-, Konservierungs- oder Aromastoffe, die empfindliche Haut reizen können. „Bei Naturseifen weiß ich, was drin ist“, argumentieren die Seifenliebhaber. Für gewöhnlich sind das pflanzliche Öle und Fette wie Kokosnussöl, Palmöl, Olivenöl, Kakaobutter oder Sonnenblumöl, die mit Natronlauge angerührt werden. Hinzu kommen je nach Duft und gewünschter Wirkungsweise ätherische Öle, Kräuter und sogar Bitterschokolade, Bienenwachs, Mohn, Joghurt oder Avocado. Die Seifen sind hübsch mit Blüten verziert, sehen wie leckere Tortenstücke aus und jede ist ein Unikat. Mit der harten Kernseife von früher, die aus tierischen Fetten hergestellt wurde und der Haut jegliches Fett raubte, haben sie nicht mehr viel gemeinsam. Die neue Generation von Seifen will vor allem eins: Natürlich und behutsam pflegen.

Parfümierte Luxusseifen

Vor etwa 4500 Jahren vermuteten die Menschen vor allem eine heilende Wirkung. Die Sumerer stellten eine Art Seife aus Pottasche und Ölen her und verwendeten sie als Medizin bei verschiedenen Hautkrankheiten. Auch die Germanen und die Gallier liebten „ihre“ Seife. Sie bleichten sich mit einer aus Ziegen-, Rinder- oder Hirschtalg produzierten Mixtur die Haare und frisierten sich damit. Die Römer übernahmen diesen Brauch und waren wahrscheinlich die ersten, die sich mit der Seife tatsächlich wuschen, um sauberer zu werden. Eine eigene Siedekultur entwickelten aber erst die Araber des 7. und 8. Jahrhunderts. Im Mittelalter verfeinerten die europäischen Seifensieder diese Kunst weiter. Vor allem in Spanien, Italien und Frankreich, aber auch in Augsburg, Prag und Wien entstand eine Zunft, die in erster Linie parfümierte Luxusseifen für den Adel herstellte.

Ein Hauch von Sommer

Der breiten Masse erschloss sich die Seife in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als die Körperhygiene zu einem festen Bestandteil der moralischen und religiösen Erziehung wurde. Waschen wurde modern. Zunächst war Seife alleiniges Reinigungs- und Waschmittel, mit der Zeit drängten Gels, Cremes und Lotionen für den Körper und spezielle Pulver und Flüssigkeiten für den Haushalt das natürliche Reinigungsprodukt mehr und mehr zurück. Heute entdecken vor allem Menschen Seifen wieder für sich, die Wert auf Qualität und Natürlichkeit legen oder die wegen Allergien und Hautirritationen Probleme mit künstlichen Zusätzen haben. Und nicht zuletzt: Seife macht Spaß. Die neuen Stars im Badezimmer waschen meist mit herrlich cremigem Schaum, rubbeln Langschläfer morgens mit echten Kaffeebohnen wach oder erinnern durch einen Duft nach Lavendel an den vergangenen Sommerurlaub.

Foto: Nicole Hein

 

SEIFEN SELBST GEMACHT

Eigene Seifen herzustellen ist nicht weiter schwierig. Allerdings benötigt man Zeit, Geduld und sollte sehr sorgfältig arbeiten. Denn die verwendeten Laugen können bei unsachgemäßer Behandlung gefährlich werden. Deshalb gilt: Die Geräte nur für die Seifenherstellung benutzen und nicht später für die Zubereitung von Speisen. Außerdem sollte der Arbeitsplatz gut belüftet sein und Arbeitsmittel sowie Arbeitsflächen müssen peinlich sauber gehalten werden – am besten die Arbeitsflächen mit altem Zeitungspapier abdecken. Nicht zuletzt: Schutzkleidung tragen! Dazu gehören Schutzbrille, lange Gummihandschuhe, langärmelige Kleidung und eventuell eine Schürze. Vor den Dämpfen schützt eine Atemschutzmaske.

Avocado-Zitronengras-Seife
Zutaten:
350 g Kokosöl
450 g Olivenöl
220 g Avocadoöl
180 g Sonnenblumenöl
180 g Rapsöl
120 g Sheabutter
430 g destillierten Wasser
208 g Natriumhydroxid (NaOH)
40 ml ätherisches Zitronengrasöl
1 pürierte, reife Avocado, 2 bis 3 Esslöffel getrocknetes Zitronengras
Zubereitung:
Aus dem destillierten Wasser und dem Zitronengras Tee kochen, abkühlen lassen und vorsichtig unter Berücksichtigung der genannten Schutzmaßnahmen das NaOH ein bis zwei Minuten lang einrühren. In der Zwischenzeit die Öle in einem Topf miteinander vermischen. Harte Öle langsam bei sanfter Hitze schmelzen. Gefettete oder mit Plastikfolie ausgelegte Förmchen bereit legen. Wenn die Öle handwarm sind (38 bis max. 50 Grad) die Lauge unter langsamem Rühren einlaufen lassen. Mit Hilfe von Rührlöffel und Stabmixer die Mixtur zum Andicken bringen. Zitronengrasöl und Avocado unterrühren. Die Seifenmasse in die Formen füllen, mit Pappe, alten Handtüchern oder Decken abdecken und sicher verstauen. Nach frühestens 24 Stunden darf die Seife aus der Form und kann geschnitten werden. Danach die einzelnen Teile drei bis sechs Wochen an einem luftigen Ort zum Trocknen aufstellen.

Mandel-Zimt-Seife
Zutaten:
400 g Olivenöl
100 g Kokosöl
75 g Mandelöl
100 g Kakaobutter
225 g gefrorene Mandelmilch
ca. 88 g NaOH
20 g Zimtöl
1 Esslöffel Kakao
einige Tropfen Nelkenöl
Zubereitung:
Nelkenöl, Zimtöl und Kakaopulver mit ein wenig von dem Mandelöl mischen. Wie im Rezept „Avocado-Zitronengras-Seife“ erklärt, die festen Fette schmelzen, flüssige Öle sowie den Rest des Mandelöls hinzufügen und alles auf ca. 40 Grad abkühlen lassen. Dann aus dem NaOH und gefrorener Mandelmilch unter Berücksichtigung der Sicherheitsregeln eine Lauge herstellen. Diese zum Öl gießen, wie beschrieben zum Andicken bringen und in zwei Teile teilen. Unter die eine Hälfte die Zimtöl-Kakaomischung ziehen. Die andere in Förmchen füllen und mit einem Stäbchen die gefärbte Masse unterrühren. Wie beschrieben die Seife auskühlen und ruhen lassen.