Das Lebkuchenhaus

 

Es ist eine vage Erinnerung aus meiner Kindheit. Ein Lebkuchenhaus unter dem Weihnachtsbaum. Auf alten orangefarbenen Familienfotos ist es zu sehen. Und ich, wie ich daran knabbere.

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Als mein Sohn in der letzten Weihnachtszeit vom Besuch bei einem Freund heimkehrte und begeistert erzählte, dass sie dort ein Lebkuchenhaus verziert haben und ob wir das nicht auch mal backen könnten, kramte ich mein Album hervor, zeigte die Bilder und hatte keine Gegenargumente. Wir besorgten uns Rezept und Anleitung und dann ging es auch schon los.

Gute Vorbereitung und vorausschauende Planung ist das A und O bei diesem Vorhaben. Der Teig muss mindestens zwei Tage im Kühlschrank ruhen, bevor er weiterverarbeitet werden kann. Die fertig gebackenen Teile brauchen wiederum eine Nacht, um abzukühlen und auszuhärten. Das vereinfacht die Verarbeitung ungemein.

Ist das Häuschen dann endlich aufgestellt und mit Zuckerguss zusammen geklebt, sollte man sich davor hüten, es voreilig zu dekorieren. Kleben nicht alle Teile fest aufeinander, löst man schon mal eine Dachlawine aus, bei der es sich gleich um das ganze Dach handelt, nicht bloß den Belag.

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Da die Kinder das Haus gerne sofort am nächsten Wochenende dekorieren wollten, blieb uns nicht ganz so viel Vorbereitungszeit, wie empfohlen. Aus eigener Erfahrung kann ich also sagen, dass es auch mit etwas weniger Ruhe- und Trocknungszeit funktioniert, aber mehr Nerven kostet. Weil eben nicht alle Teile im ersten Anlauf da bleiben, wo sie hingehören und die Verarbeitung des noch klebrigen Teigs ebenfalls mehr Geduld verlangt.

Unser erstes Haus war also ein Test. Für Nerven, Geduld und Kreativität. Mein Fehler war, mich (gegen meine eigenen Bedenken) an die Anleitung zu halten und den Teig erst auszurollen, zu backen und dann die Formen (Wände und Dächer) auszuschneiden. Leider war die Info, die Formen vor dem Backen zuzuschneiden bei der Weitergabe des Rezeptes untergegangen….

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Zwischendurch schickte ich ein Foto vom Stand der Dinge an eine Freundin und kassierte die Gegenfrage, ob das Toast mit Frischkäse sei. So sah es tatsächlich aus und es wäre gewiss weniger aufwändig gewesen.

Trotz aller Befürchtungen, dass die Bruchbude nicht stehen bliebe und einfach nur schrecklich aussähe, waren wir nach fünf Stunden kleben und dekorieren wirklich stolz und beeindruckt. Wir hatten gar nicht mehr damit gerechnet, dass unser Häuschen so eine ,süße‘ Komposition würde. Tatsächlich waren wir alle so beeindruckt, dass auch drei Wochen später nicht mehr als fünf Süßigkeiten vom Haus verschwunden waren, weil niemand das Kunstwerk zerstören mochte.

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Da wir auch bei Freunden der Kinder für Begeisterung gesorgt hatten mit unserer Kate, fertigten wir kurz vor Weihnachten erneut ein Häuschen. Dieses Mal für einen Freund meines Sohnes. Für uns galt nun zu überprüfen, ob es tatsächlich besser klappt, die Formen vor dem Backen zuzuschneiden. Und siehe da, wir waren um einiges schneller. Die Platten passten besser zusammen und ließen sich passgenau aneinander kleben. Das Haus wirkte gefälliger. Es blieben keine großen Lücken, die vertuscht werden mussten. Zusammenkleben und Dekorieren dauerte in diesem Fall nur gut zwei Stunden. Dabei wurde das Häuschen so schön, dass die Kinder fragten, ob wir nicht einfach das alte abgeben und dieses statt dessen behalten könnten. Haben wir natürlich nicht gemacht!

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Für alle backwilligen das Rezept:

5 Eier
200 g Zucker
250 g gemahlene Haselnüsse
1/2 TL Salz
1/2 TL Zimt
1/4 TL gemahlene Nelken
1 Prise Pfeffer
1 kg Mehl
10 g Natron
3 EL Kakao
500 g Puderzucker
2 Eiweiß
einige Tropfen Zitronensaft
bunte Zuckerstreusel und -kugeln
Süßigkeiten zum Verzieren

Die Eier in einer großen Schüssel schaumig schlagen. Nach und nach den Zucker einrieseln lassen und so lange weiter schlagen, bis die Masse weißschaumig ist. Unter ständigem Weiterrühren langsam den Honig dazu geben. Haselnüsse und Gewürze mischen und locker unter die Masse heben. Mehl mit Natron und Kakao mischen, auf den Teig sieben und unterheben. Hier macht sich eine Küchenmaschine bezahlt, der Handrührer wird wohl versagen. DIm Zweifelsfall einfach von Hand kräftig weiter kneten, bis eine homogene Masse entstanden ist.
Teig zur Kugel formen und mindestens zwei Tage (besser noch länger) im Kühlschrank ruhen lassen. Nach der Ruhezeit den Teig dritteln und jedes Drittel kräftig durchkneten, bis es glatt und homogen ist. Den Teig etwas dünner als fingerdick ausrollen und gewünschte Formen ausschneiden. Benötigt werden Vorder- und Rückseite, zwei schmale Seitenteile, zwei Dachflächen und ganz wichtig: die Bodenplatte. Sie sollte etwas größer sein als das Häuschen, so dass man beim Bauen nicht in Platznot gerät. Den freien Platz kann man anschließend für weitere Deko (Bäume, Wege etc) nutzen.

Die Maße unseres Häuschens (Schablone):

Front / Rückseite:   B = 14 cm; H = 18 cm; Die Dachschräge beginnt in 5 cm Höhe
Seitenteil:               B = 18 cm; H =   5 cm
Dach:                      B = 20 cm; H = 18 cm
Bodenplatte:           ca 1/2 Blech

Bei Front und Rückseite die Ausschnitte für Türen und Fenster nicht vergessen. Die Tür kann man mitbacken und hinterher in geöffneter Form ans Häuschen kleben. Ist der Türausschnitt breit genug, kann man später ein LED Licht ins fertige Häuschen stellen.
Übrigen Teig für beliebige Formen verwenden (Tannen, Rehe, Nikoläuse, Lebkuchenmännchen etc.)

Bei 200 Grad maximal 14 Minuten im vorgeheizten Ofen backen. Die einzelnen Teile über Nacht auskühlen lassen.

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Am nächsten Tag den Puderzucker sieben und halbieren. Ein Eiweiß und einige Tropfen Zitronensaft unterrühren, so dass ein sehr fester, stark glänzender Guss entsteht. Nun nach und nach sämtliche Kanten und Schnittflächen des Hauses damit bestreichen und auf den Untergrund kleben. Lange und geduldig warten und andrücken, damit die Wände wirklich stehen bleiben. Mit einem breiten Band fest umwickeln, bis der Zuckerguss getrocknet ist. Nun kann das Dach aufgesetzt werden. Dieses ebenfalls fest antrocknen lassen, bevor dekoriert wird. Die nächste Ladung Zuckerguss anrühren und die Verzierungen damit ankleben.

Gutes Gelingen und guten Appetit!

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Fotos: Merle Weidemann