Handtuch-Diebstahl

Diebstahl?

Diebstahl oder nicht, das ist hier die Frage.

Und die zweite: Wie reagiere ich darauf?

Morgens schwimmen zu gehen, ist mein Versuch, Sport in den Alltag zu integrieren. Und ich bin nicht so alleine damit, wie man meinen könnte, um 6.30 Uhr an den Frühschwimmtagen im Schwimmbad aufzulaufen. Allerdings kennt man die Gesichter nach ein paar Wochen – so viele sind es nun auch wieder nicht, die zu dieser Zeit schon ihre Bahnen ziehen.

Umso irritierender, dass nun schon zum zweiten Mal mein Duschgel abhanden gekommen ist. Ich schreibe bewusst nicht „gestohlen“ worden ist, denn ich weiß ja nicht, was genau geschehen ist. Allerdings fällt mir leider keine andere Erklärung ein, wenn das Shampoo noch im Handtuch eingewickelt auf der Duschablage liegt, das Duschgel aber verschwunden ist. Heruntergefallen ist es – vermutlich – nicht, zumindest finde ich es nirgendwo. Und als ich es jemandem erzähle, den ich immer beim Föhnen treffe, erfahre ich, dass dies schon häufiger vorgekommen ist.

Da stellen sich mir zwei Fragen:

  • Warum klaut jemand Duschgel?
  • Und wer von den mir inzwischen so vertrauten Gesichtern ist es?

Auf die erste Frage fallen mir zwei Antworten ein:

  • Weil selbst so ein bisschen finanzielle Entlastung durch ein Duschgel demjenigen im Alltag hilft. Das fände ich erschreckend, aber verständlich. Nur, warum bleibt dann das Shampoo da? Aus schlechtem Gewissen und damit mir auch noch was bleibt?
  • Weil jemand diese Sorte besonders gefällt, aber nicht weiß, wo es sie gibt. Das fände ich befremdlich – zumal ja überhaupt erst einmal jemand das Duschgel in meinem Handtuchpaket gefunden haben muss.

Über die zweite möchte ich gar nicht nachdenken …

Wenn ich nicht unter die Detektive gehen möchte, werde ich meine Fragen wohl nicht beantworten können.

Bleibt noch die Frage nach meiner Reaktion darauf. Spontan neige ich dazu, einen Zettel mit ins Handtuch zu wickeln:

Auch Duschgel-Klau ist Diebstahl!

Aber muss man immer sofort aggressiv werden? Sollte man nicht – gerade in der Fastenzeit – am Tonfall arbeiten? Und wen würde es interessieren? Einen ignoranten Dieb sicherlich nicht, jemandem in Not würde es zusätzlich das Gewissen beschweren.

Vielleicht eher auf die humorvolle Tour:

Wenn du mein Duschgel nimmst, müssen meine Kollegen den ganzen Tag meinen Geruch ertragen!

Ob das fruchtet? In einem schnulzigen Liebesroman wäre das vielleicht auch der Auftakt zu einer romantischen Begegnung …

Natürlich habe ich mich für die simpelste Lösung entschieden: Ab sofort wartet mein Handtuchpaket in der Schwimmhalle auf meine Rückkehr – und dort hat sich bis jetzt noch niemand herangetraut. Aber ob das immer der Weisheit letzter Schluss ist, den einfachsten Weg zu gehen? Ein bisschen ärgere ich mich über mich selbst – und über diejenige, die mich dazu gebracht hat, so viel – unnütze? – Gedankenzeit mit ihr zu verbringen. Ob sie wohl auch so viel darüber nachdenkt?

Das werde ich wohl nur erfahren, wenn ich es doch noch mit einem Kontakversuche per Handtuch-Botschaft versuche …