Waandern; Wanderschuhe; aeltere Menschen mit Wanderschuhen; Freizeit;

Eingewanderte Wörter

Die deutsche Sprache ist längst multikulti. Denn Sprache lebt und entwickelt sich ständig weiter. Da bleibt es nicht aus, dass Wörter einwandern. Beispielsweise der Tollpatsch, der aus Ungarn zu uns gekommen ist. Auch die Fisimatenten haben vermutlich vor langer Zeit die Landesgrenzen überschritten. Eine Legende besagt, dass zur Zeit Napoleons französische Soldaten deutsche Mädchen mit dem Spruch „Visite ma tente“, also „Besuch mein Zelt“, locken wollten. Besorgte Mütter gaben ihren Töchtern daraufhin angeblich den Rat „Mach aber keine Fisimatenten“. Bei Fremdwörtern wie „Meeting“ oder „Workout“ hingegen steht die Herkunft zweifelsfrei fest: Sie entstammen der englischen Sprache.

„Da sollten die Kinder aber pürieren.“

Als jemand, der täglich mit der Sprache arbeitet, achte ich darauf, wo welches Wort herkommt. Ich unterscheide zwischen dem gesprochen und dem geschriebenen Wort. Zum Beispiel sage ich oft das Wörtchen „nix“, würde es aber nicht in einem Artikel für ein Printmagazin schreiben. Auch bleiben in meinen Texten viele Fremdwörter draußen, weil die deutschen Ursprungswörter meistens genauso schön sind. Außerdem sollen alle Leser meine Artikel verstehen – und nicht nur diejenigen, die während des Lesens im Online-Wörterbuch (oder ganz herkömmlich im Duden in Buchformat) nachschlagen können. Vor allem ältere Menschen – gerne Best Ager, Golden Ager oder Senior Citizens genannt – stehen der Flut an eingewanderten Wörtern hilflos gegenüber. Neulich sagte jemand aus dieser Generation zu mir: „Da sollten die Kinder aber pürieren.“ Gemeint war natürlich „parieren“. Und als wenig später die Rede auf das Grillfleisch kam, empfahl man mir, die Steaks mindestens drei Stunden vorher „einzubalsamieren“. Ich fand das doch etwas makaber und habe das Grillgut lieber „mariniert“.

 

Foto: Merle Weidemann