Fiebernde Lampen

3 Tipps gegen Nervosität bei Auftritten

 

Wenn man gut vorbereitet ist, fühlt man sich sicherer; wenn man sich sicherer fühlt, agiert man besser; wenn man besser agiert, ist man weniger nervös; wenn man im Vorfeld weniger nervös ist, kann man sich gründlicher vorbereiten und wenn man gut vorbereitet ist, … Ein solches Pingpong von gegenseitigen Einflüssen hilft gegen das leider allzu oft zuschlagende Lampenfieber.

Klar, ein wenig Lampenfieber gehört dazu und eine gewisse Grundnervosität führt sogar dazu, dass man sich und die Sache, wegen der man aufgeregt ist, ernster nimmt. Aber zu viel davon möchte schließlich keiner von uns; deshalb hier Tipps aus meinen drei Arbeitsbereichen, die mir regelmäßig helfen.

  1. Als Autorin bei Lesungen: sich einen Verbündeten suchen

    Wenn jemand im Publikum sitzt, der mich bei jedem Blickkontakt anlächelt und mir aufmerksam zuhört, vielleicht an passender Stelle lacht oder sogar mit einer (vorher abgesprochenen Frage) die anschließende Diskussion in Gang bringt, gibt mir das ein grundlegendes Gefühl von Sicherheit. Auch wenn ich weiß, dass dieses Lächeln bestellt ist, beruhigt es mich doch. Zur Vorbereitung einer Lesung gibt es ebenfalls unzählige Tipps wie die Textpassagen vorher gezielt auswählen und üben, nur stilles Wasser trinken, passende Kleidung zur Raumtemperatur tragen, mögliche Fragen und Antworten vorher im Kämmerlein einüben usw. Doch der Verbündete hilft mir beim Lesen akut am meisten, denn er motiviert. Und wenn man niemanden dafür mitnehmen kann, vorher jemanden aus dem Publikum ausspähen (zum Beispiel die nette, einladende Buchhändlerin), der diese Rolle – unabgesprochen – übernehmen kann.

  2. Sowohl bei Lesungen als auch bei Präsentationen hilfreich: nichts persönlich nehmen

    Die Zuhörer blättern in Unterlagen, schauen aus dem Fenster oder gähnen gar? Bitte nicht auf sich selbst oder die eigene Präsentation beziehen. Genau umgekehrt: Immer versuchen, sich ins Publikum hineinzuversetzen! Was haben diejenigen alles schon hinter sich, bis sie hier vor mir sitzen und mir zuhören (müssen)? Jeder bringt seine eigene Geschichte mit; vielleicht eine unruhige Nacht, vielleicht private Probleme, vielleicht Zeitdruck oder oder oder. Wenn jemand abgelenkt ist, kann das tausend Gründe haben – man denke nur an die zig Präsentationen zurück, bei denen man selbst im Publikum saß. Ununterbrochen aufmerksam zu sein ist kaum möglich.
    Ebenso versuche ich, bei einem Hänger ruhig zu bleiben: Aus meiner Perspektive wirkt jede Pause unsouverän, aus der Perspektive des Publikums ist es vielleicht eine willkommene Gelegenheit, mal kurz die Blicke und Gedanken schweifen zu lassen, etwas zu notieren, über das eben Gehörte noch mal nachzudenken, … Insbesondere das Zeitempfinden geht da oft vollkommen auseinander: Für mich scheinen schon ein paar Sekunden Pause endlos, für Zuhörer fallen sie gar nicht auf, wirken vielleicht sogar bewusst gesetzt, um das Vorhergehende sacken lassen zu können.

  3. Als Kursleiterin: immer authentisch bleiben

    Es gibt viel Literatur dazu, wie man die unterschiedlichsten Kurssituationen abwechslungsreich gestalten kann. Angefangen bei Kennlernspielen bis hin zur Feedbackrunde. Meine Erfahrung: Es funktionieren nur die Dinge, die ich selbst als Teilnehmer auch gerne machen würde, denn nur diese Spiele und Übungen kann ich überzeugend „verkaufen“. Und wenn ich merke, dass ich überzeugend bin und die Teilnehmer mit Spaß bei der Sache sind, habe ich gar keine Gelegenheit, nervös zu werden. Versuche ich mich dagegen an einer hochgelobten Übung, von der ich gelesen habe oder von der mir andere begeistert berichtet haben, gegen die ich mich jedoch im Inneren sträube, dann kann das nur schief bei den Teilnehmern ankommen. Und dann schlägt das Lampenfieber doch zu …

In diesem Sinne freue ich mich darauf, noch viele schöne Lesungen, Präsentationen und Kurse zu erleben – und viele andere Tipps gegen Lampenfieber zu lesen!
Dieser Artikel hat im Herbst 2015 an der Blogparade vom LVQ Karriere-Blog teilgenommen.

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