Frieden III

Verfolgte

 

Frieden ist wichtig für unsere Welt. Für die meisten Menschen bedeutet er, dass es keinen Krieg gibt, niemand kämpft, sich keiner gegenseitig bedroht oder tötet.

Für mich hat Frieden noch einen weiter gefassten Sinn.

Ich stamme aus einem Land, in dem es seit Jahrzehnten Krieg gibt. Unschuldige Kinder, Jugendliche, Alte, Frauen und Männer kommen dort an ganz unterschiedlichen Orten um ihr Leben; durch Bomben, Explosionen, Selbstmordattentate, Schießereien.

Ich wünsche mir, dass es eines Tages Frieden gibt in meinem Vaterland, dass jeder sich sicher fühlt und sein Leben in Ruhe leben und genießen kann. Ich glaube, die Menschen meiner Heimat – und überhaupt: alle Menschen auf der Welt – brauchen Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und einen gewissen Lebensstandard.

Das hat mein Leben mich gelehrt.

Als ich noch jung war, floh meine Familie kriegsbedingt ins Nachbarland. Dort erlebte ich, dass ich nicht in Frieden war, weil die anderen über die Form meiner Augen lachten. Ich war nicht in Frieden, denn ich war immer beunruhigt, der Schule verwiesen zu werden. Ich war nicht in Frieden, weil ich mir Sorgen um meinen Vater machte, der bei seiner Arbeit ständig bedroht war, wieder nach Afghanistan abgeschoben zu werden. Ich war nicht in Frieden, wenn ich meines Akzents wegen gedemütigt wurde. Und ich war nicht in Frieden, da ich als Frau nicht Fahrradfahren durfte, nicht laut lachen und öffentlich singen konnte.

Ein Leben in Frieden existiert für mich an einem Ort, der frei ist von Krieg, frei von Diskriminierung, frei von Angst. Ein Ort, wo Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Freiheit gelebt werden.

Text: Zakia Shefayee
Foto: Sandra Konold

Zakia habe ich bei einer Feier in Deutschland kennengelernt. Den Großteil ihres Lebens hat sie im kriegsgeschüttelten Afghanistan verbracht. Durch Menschen wie sie erfahre ich mehr als durch die westlichen Medien und gewinne ein differenzierteres Bild zu ihrem Land und seinen Leuten. Weil sie zur Ethnie der Hazara gehört, die sich einer stärkeren Verfolgung ausgesetzt sieht, habe ich den Beitrag entsprechend betitelt. Er ist ein kleiner Ausschnitt dessen, was Zakia mich von ihrem Leben hat erfahren lassen.

Das Bild ist im Rathaus-Innenhof von Münster entstanden, bekannt als Platz des Westfälischen Friedens. Die Skulptur Toleranz durch Dialog stammt von Eduardo Chillida.

FRIEDEN III ist der dritte Teil eines Fotoprojekts, für das ich Menschen porträtiere, die wegen ihrer Erlebnisse einen ganz eigenen Blick auf das Thema haben.