Fußball in der Schultüte

So eine Schultüte ist überraschend groß. Zumindest wenn man als Mutter (oder Vater) das Ding füllen soll. Außerdem dürfen die einzelnen Teile nicht zu schwer sein: 1 mittelgroße Tüte Gummitiere (200 g), 1 Erstlesebuch, das es fast nur als Hardcover gibt (390 g), 1 Tafel Schokolade (100 g), 1 Ritterfigur zu Pferd (240 g) und dazu noch das Eigengewicht der Schultüte (rund 100 g). Schon schleppt der Erstklässler (rund 18 Kilogramm) im Arm eine Schultüte, die über ein Kilo wiegt und auf dem Rücken den Ranzen, der noch ein zusätzliches Kilo auf die Waage bringt. Da sind die meisten Eltern dankbar für jeden Rat, was sie an kleinen und leichten Präsenten in die Zuckertüte tun können. Diesen Bedarf decken viele Unternehmen nur allzu gerne. Mein Kind brachte jüngst aus der Kita einen Flyer mit, der als aufklappbare Schultüte gestaltet war.

Hauptsache Werbung? Bitte nicht!

Wohlwollend nahm ich das Stück Papier in die Hand und freute mich über das kindgerechte Design. Dass hinten übermäßig groß der Aufdruck der werbetreibenden Institution (aus dem Bereich der Zahngesundheit) prangte, störte mich nicht. Immerhin hatte der Druck der Werbung, die großflächig an die Kitas verteilt wurde, einiges an Geld gekostet. Doch noch während ich die Schultüte öffnete, kamen mir erste Zweifel, ob die Investition wirklich so sinnvoll gewesen ist. Denn was sich mir an Ratschlägen zum Füllen einer Zuckertüte präsentierte, kann sich nur eine Werbeagentur ausgedacht haben, die keine Ahnung von Kindern hat.

Eine Zahnbürste für alle Fälle

Man empfahl unter anderem einen Fußball, zwei Hardcover-Bücher, eine Brotdose und einen Turnbeutel. Wie das alles zusammen in die Schultüte passen soll, ist mir schleierhaft. Zum Naschen sollten eine Weintraubenrispe, ein Apfel, eine Banane und Erdbeeren in der Zuckertüte liegen. Über das Gewicht dieser leckeren (und zahngesunden!) Nascherei mag ich gar nicht weiter nachdenken. Spätestens zusammen mit dem Fußball und den Büchern dürfte es die Tragefähigkeiten eines Erstklässlers jedoch überschreiten. Was ich noch viel bedenklicher fand, war der Zustand der Obstes am Tag der Einschulung. Die meisten Eltern füllen vermutlich so wie ich die Schultüte ein paar Tage vor dem Einschulungstermin. Noch dazu trägt das Kind seine heißersehnte Zuckertüte eng an sich gepresst von der Kirche zur Schule, in die Klasse und wieder nach Hause. Spätestens dann sind Banane, Trauben und Erdbeeren zu einem rot-braunen Brei verschmolzen. Wie gut, dass die Werbeagentur daran gedacht hat, eine Zahnbürste in die papierne Schultüte zu legen! Die ist nämlich gar nicht dafür, die Erstklässlerzähne zu schrubben, sondern um den Obstbrei aus den Ritzen der Brotdose zu kratzen. Wirklich clever!

Und mein Fazit? Werbung ist eine gute Sache. Aber nur dann, wenn sie gut gemacht und sorgfältig durchdacht ist.

 

Foto: Nicole Hein

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