Ich sehe was

… das du nicht siehst

 

Ich sehe was, das du nicht siehst,
und das ist braun.
Schutt und Asche,
Männer und Frauen,
Kinder, die ihrer Kindheit beraubt.
Doch das Braune bist du.
So voller Hass, voller Neid,
vollgestopft bis oben hin
mit Fremdenfeindlichkeit.
Und jetzt wählst du rechts:
Protest der Unzufriedenheit.
Die Alternative für Deutschland
ist bestimmt kein zweites drittes Reich.

Ich sehe was, das du nicht siehst,
weil du davor die Augen schließt.

Ich sehe was, das du nicht siehst,
und das ist kunterbunt.
Furchtbar gefährlich
und tödlich ungesund.
Sie halten es für Plankton,
denn es sinkt nicht auf den Grund.
Und bevor man merkt, dass es bitter schmeckt,
hängt es schon im Schlund.
Den Einen erstickt,
den Nächsten stranguliert,
den Dritten erdrückt…
Nimm‘ doch wenigstens Papier!
Doch am besten denk‘ gleich mit
– es passiert vielleicht nicht hier –
aber an jeder Plastiktüte
krepiert irgendwo ein Tier.

Ich sehe was, das du nicht siehst,
weil du davor die Augen schließt.

Ich sehe was, das du nicht siehst,
und das ist viel zu viel.
Zuviel Leid auf kleinstem Raum –
viel zu brutal, um hinzuschauen.
Lebendig geschreddert,
noch lebend gehäutet,
künstlich geschwängert,
mehr Milch erbeutet.
Wir wollen Coq au Vin und Entrecôte.
Wir wollen Grillen im Sommer.
Wir bezahlen für’s Schlachten,
doch lange nicht den angemessenen Preis.
Todesqualen für ein paar Gramm Hack,
Antibiotikum gleich mit dabei.
Die Menschheit ist krank,
doch scheint’s ihr einerlei.

Ich sehe was, das du nicht siehst,
weil du davor die Augen schließt.

Ich sehe was, das du nicht siehst,
und es strahlt und leuchtet.
Wen stört es schon, das Risiko,
dass Natur dadurch verseucht wird.
Atommüll? Ab nach Afrika,
die sollen sich da nicht so haben.
Ist doch eh alles Wüste da;
ich muss jetzt mein Handy laden.

Ich sehe was, das du nicht siehst,
weil du davor die Augen schließt.

Ich sehe was, das du nicht siehst,
und das ist euer Ende.
Denn ich bin eure Mutter Natur,
deren Ressourcen ihr verschwendet.
Ich habe euch schon oft gewarnt,
doch seid ihr so verblendet.
Fakt ist jedoch, ich brauch’ euch nicht,
ihr bringt mich um mein Gleichgewicht.
Euer Aufstand ist bald vollendet,
doch nach all der Zeit
bin noch immer ich bereit,
euch alles zu vergeben,
sobald ihr die Entscheidung fällt,

endlich BEWUSST ZU LEBEN.

 

Foto: Sandra Konold
Text: Philla