Journalismus in Kinderhand

Ich mag den Journalismus. Auch wenn unverbesserliche Pessimisten schon sein langsames Dahinsiechen vorhersagen und die Zukunft in Blogs und anderen von jedermann im Internet geposteten Bildern und Texten sehen. Falls sich der Journalismus tatsächlich seinem Untergang nähert (ich glaube eher, er wandelt sich nur), dann habe ich gestern eine gute Tat getan, um ihn zu retten. Ich war in einer Grundschulklasse und habe dort (hoffentlich) Interesse und Neugierde für den Journalismus geweckt. Denn wenn jemand was bewegen kann, ist es die Generation, die jetzt Kinder sind.

Beliebt: Rätsel lösen

Die Schulkinder der vierten Klasse lesen vier Wochen lang jeden Tag die Tageszeitung. Sie lernen beispielsweise was eine Anzeige ist, ein Bericht oder eine Reportage, schreiben Überschriften sowie Meldungen und lösen das Rätsel, das auf der Kinderseite abgedruckt ist. Die Aktion wird vom örtlichen Tageszeitungsverlag gesponsert und dient dazu, sich zukünftige Leser heranzuziehen. Die Krönung der Aktion ist ein Besuch im Druckhaus.

Spannend: Kommt heute die Zeitung?

Soweit so gut. Zwar gibt es kleinere Pannen (die E-Mail für den Online-Zugang der Zeitung haben nicht alle erhalten und auf die angekündigte Samstagsausgabe warten einige Kinder vergeblich) doch im großen und ganzen kann man zufrieden sein. Für einige Kids ist das die erste regelmäßige Begegnung mit einer gedruckten Tageszeitung, während sich andere schon vorher prima im Sportteil zurecht gefunden haben. Auch sind – soweit ich beobachten konnte – alle mit Spaß dabei.

Praktisch: eine eigene Seite

Was nach so viel druckergrauer Theorie fehlt, ist die Praxis. Die Kinder wären keine Kinder, wenn sie nicht tausend Fragen hätten: „Welche Promis trifft man als Redakteur?“, „Berichtet die Tageszeitung auch über Reitturniere?“, „Was heißt dpa?“ oder „Warum hat die Zeitung unten mehrere Löcher?“ Die und noch viele weitere Antworten waren um acht Uhr morgens mein Job als freie Journalistin. Anschließend durften sich die Jungen und Mädchen mit Schere und Kleber ausgerüstet aus drei Zeitungen ihre eigene Kinder-Tageszeitungsseite zusammenbasteln.

Mein persönliches Fazit: Für mich war es ein ungewöhnlicher Vormittag, der mir Freude bereitet hat. Und mit ein bisschen Glück habe ich meine Leidenschaft für den Journalismus mit so viel Enthusiasmus rüber gebracht, dass ein Kind später beruflich in diese Richtung gehen wird.

 

Foto: Nicole Hein

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