Kein bisschen Down

Wegen einer OP bin ich mit meinem Sohn im Krankenhaus. Wir teilen unser Zimmer mit einer jungen Mutter aus Montenegro und ihrem kleinen Sohn.

Wir unterhalten uns schon eine Weile, als sie mich fragt, ob wir denn keinen Test gemacht hätten in der Schwangerschaft. In Montenegro machen das (fast) alle Schwangeren, ganz früh im zweiten oder dritten Monat. Und wenn das Ergebnis Down Syndrom ist, dann macht der Arzt das weg. Dazu macht sie ein Geräusch, dass mir wohl verdeutlichen soll, wie schnell und einfach das geht.

Ssst, weg.

Sie sagt das ganz freundlich und meint es auch nicht böse. Es ist für sie ganz normal und eben verwunderlich, dass ich so ein Kind habe. Und es nicht vorher wissen wollte.

Oder wegmachen.

Wie froh bin ich nach einem Jahr voller Freude und Glück, dass Down Syndrom für mich ein schelmisch lachendes, pausbäckiges Gesicht mit leicht schrägen Augen ist und kein Schreckgespenst.

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Fotos: Merle Weidemann