König Kunde

Pleiten, Pech und Pannen beim Laptopkauf

 

Schick ist er, mein neuer Schwarzer. Er hat einen dunklen, samtweichen Look und eine glatte Oberfläche, die den Fingerspitzen schmeichelt. Dank seiner schmalen Maße und seines zurückhaltenden Designs passt er auf jeden Schreibtisch. Eigentlich sollte ich jetzt noch loben, welche tollen Speicherkapazitäten mein neues Laptop hat, was der Prozessor leistet und sämtliche Daten seines Innenlebens auflisten. Doch da bin ich zu sehr Frau. Das Ding arbeitet zuverlässig und welche Technik im Detail dafür sorgt, interessiert mich nicht. Bis das schicke Teil in mein Büro einziehen konnte, vergingen allerdings vier Wochen – vom Tag der Bestellung bis zur Lieferung wohl gemerkt. Ich hatte das Laptop im Online-Shop eines großen Computerherstellers bestellt. Und nein, dieser hat nichts mit einem Apfel zu tun. Vielleicht wäre ich da aber besser dran gewesen. Denn der Hersteller meiner Wahl hat offenbar nur ein Herz für große Firmen, die gleich 20 Rechner plus entsprechender Wartungsverträge ordern – und nicht für ein Ein-Frau-Unternehmen, das sich frühstens alle fünf Jahre einen neuen Computer gönnt.

Post von Svetlana

Jedenfalls wartete und wartete und wartete ich auf die im Online-Formular versprochene E-Mail, dass meine Bestellung in Arbeit sei. Dass der Auftrag ordnungsgemäß aufgenommen worden war, konnte ich unter meinem Login im Online-Shop sehen. Mehr auch nicht. Schließlich tauchte noch ein geplanter Liefertermin auf, der kurz drauf wieder spurlos verschwand, aber eine schriftliche Bestätigung fehlte weiterhin. Eine E-Mail an die Serviceabteilung brachte Klarheit: In etwas holprigem Deutsch, aber dafür umso herzlicher teilte mir Svetlana mit, dass jemand meine Bestellung storniert hätte. Offenbar hatte jemand in der Rechnungsabteilung gepennt – oder schlichtweg meinen kleinen Einzelauftrag zwischen den vielen Massenbestellungen übersehen. Freundlicherweise kümmerte sich Svetlana persönlich um die Neuaufnahme der Bestellung und versprach mir eine E-Mail, wenn diese in Bearbeitung sei. Auf diese E-Mail warte ich übrigens immer noch.

Abendlicher Überraschungsbesuch

Statt der schriftlichen Nachricht stand rund zwei Wochen später abends der Postbote mit zwei Paketen vor der Tür. Dass er eines fallen gelassen hat, habe ich ihm nicht weiter übel genommen. Es war ihm sichtlich peinlich, er hat sich nett entschuldigt und heile ist die kostbare und lang ersehnte Fracht auch geblieben. Die Frage, warum er unangekündigt erschienen ist, habe ich ihm erst gar nicht gestellt. Vermutlich hat der Computerhersteller die im Online-Shop angekündigte SMS mit der Lieferzeit genauso vergessen wie die versprochenen E-Mails mit dem Lieferdatum und der Bestätigung meiner Bestellung.

 

Foto: Nicole Hein

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