Eine Schatzkiste voller Ideen für lebendigen Sprachunterricht

Lebendiger Sprachunterricht

Eine Schatzkiste voller Ideen …

 

An der VHS Münster gibt es einen neuen Kurs: Lebendige Spiele im Sprachunterricht.

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, Sprachunterricht lebendig zu gestalten. Und dass sich dafür Spiele eignen, um Vokabeln, Themen und Grammatik einzuüben, könnte sich auch schon herumgesprochen haben. Dennoch ist es immer gut, sich mit anderen Kursleitern über ihre Erfahrungen auszutauschen: Was hat gut funktioniert und was weniger gut – und warum? Welches Spiel lässt sich bei welchem Thema besonders gut einsetzen? Welche sprachtypischen Übungen lassen sich leicht für andere Sprachen abwandeln?

Genau diesen Austausch gab es am 4. November zum ersten Mal an der VHS Münster. Fünf Stunden lang stand lebendiger Sprachunterricht auf dem Programm. So lautete die Ankündigung der VHS:

Train the Trainer – mit Spielen den Sprachunterricht lebendig gestalten

Spiele lockern jeden Sprachunterricht auf. Kleingruppen- und Partnerarbeit festigen den Zusammenhalt im Kurs. Dabei können spielerische Übungen wesentlich vielfältiger als die klassischen Einkaufs-Rollenspiele sein: Länder-Quiz, Ecken-Fragen, Fantasiefiguren entstehen lassen, Tabu, Würfelspiele und mehr festigen und erweitern den Wortschatz der Teilnehmer(innen) ohne Druck. In diesem Workshop für Sprachkursleiter(innen) werden auf Deutsch unterschiedliche Spielematerialien vorgestellt und ausprobiert, die sich leicht für den eigenen Sprachunterricht adaptieren lassen.

Erzählkarten für lebendigen SprachunterrichtGedanken zu Spielen im Sprach-Unterricht

Spiele im Sprachunterricht sind kein Lückenfüller. Mit ihnen werden bestimmte Lerninhalte einmal anders aufbereitet und sie beeinflussen das Gruppengefüge positiv. Spiele bieten die große Chance, dass die Teilnehmer sich untereinander besser kennenlernen, Hemmungen bei Dialogübungen abbauen und somit die ganze Lernatmosphäre entspannter und fröhlicher wird. Voraussetzung dafür ist, dass die Spiele gut durchdacht, vorbereitet und erklärt werden. Außerdem sollte jeder Kursleiter nur Übungen einbringen, hinter denen er selbst steht – nichts klappt schlechter als ein Spiel, das der Kursleiter selbst ungern mitmacht.

Durch Spiele kommt Leben in einen Kurs: Die Teilnehmer müssen sich immer wieder auf andere Partner einstellen und sie müssen zwischendurch aufstehen bzw. herumlaufen. Schon das alleine fördert die Konzentration. Das gilt auch für schnöde Einsetzübungen: Wenn nicht alle nacheinander im Kreis dran sind, sondern jeder seinen Nachfolger dadurch bestimmt, dass er ihm einen Ball zuwirft, wird viel gelacht und die Aufmerksamkeit hoch gehalten. Durch Kleingruppen sinkt die Hemmschwelle, sich aktiv einzubringen: Denn der Kursleiter hört nicht immer alles – und das ist auch vollkommen in Ordnung so.

Da es verschiedene Lerntypen gibt, ist es gut, die Unterrichtsmethoden zu variieren. Zuhören und selbst sprechen, etwas lesen und selbst etwas schreiben, etwas erleben und ausprobieren. Gut ist, wenn in einer Stunde Phasen in der Großgruppe, Partnerarbeit und Kleingruppenarbeit vorkommen und sich Hörverstehen, Sprechen, (Vor-)Lesen (und Schreiben) abwechseln.

Kreative Spiele fürs Kreative SchreibenMehr als Einkaufs-Spiele

Schon beim Kennenlernen kann es mit dem Spielen losgehen: Namensschilder müssen nicht einfach ausgeteilt werden – das jeweils eigene müssen sich die Teilnehmer erst einmal erarbeiten. Weiter geht es mit Eckenfragen zu Hobbys und Verkehrsmitteln sowie einer Kursstatistik über Sprachenvielfalt und Essensvorlieben. Bei solchen Spielen spricht jeder mit (fast) jedem – das ist abhängig von der Kursgröße.

Für andere Spiele wird die Gruppe in Kleingruppen oder Paare eingeteilt – und auch dabei kann man spielerisch variieren, sodass nicht immer dieselben Sitznachbarn zusammenarbeiten bzw. das alte Abzählen aus der Schule aufgewärmt werden muss: Passende Puzzleteile finden, die Mitglieder der Königsfamilie zu Ehepaaren sortieren, farbige Spielfiguren ziehen usw. Da sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. So entsteht ein gutes Kursklima und es bilden sich keine festgefahrenen Gruppen. Solche Kleingruppen- oder Paararbeit eignet sich für klassische Würfelspiele, Memory oder Interviewübungen.

Auch Vokabeltraining muss nicht immer trocken sein. Gemeinsam lassen sich auf großen Blättern Cluster oder Wortigel zu verschiedenen Themen erstellen, Wörterketten (nach dem jeweils letzten Buchstaben oder Assoziationen), Tabu-Beschreibungen oder „Wer bin ich“ sind ein guter Einstieg oder Abschluss einer Stunde. Sogar Grammatik kann beim spielerischen Üben Spaß machen: Wenn zum Beispiel verschiedene Verb- oder Substantivformen auf Vorder- und Rückseite von Karteikarten geschrieben sind und die Teilnehmer durch den Raum laufen und immer einem neuen Partner die Formen aufsagen. So verbindet sich Bewegung mit Lernen, Spaß mit Kennenlernen und die Grammatik speichert sich gleich ganz anders ab.

 

Übrigens: Das Konzept konnte ich schon umsetzen in der Qualifizierungsreihe zur Unterstützung ehrenamtlicher Sprachlehrkräfte. Spaß hat es gemacht, und mir ebenso viele Aha-Erlebnisse verschafft wie hoffentlich den Teilnehmern …

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.