Mensch & Hund I

Engel auf vier Pfoten

 

Wir haben lange überlegt, ob wir einen Hund aus dem Tierheim nehmen. Aber irgendwann war klar, dass es ein Therapiehund werden soll; da haben wir uns für einen Welpen entschieden. Es ist leichter, einen Hund auszubilden, wenn er sowieso noch viel lernt. Summer ist jetzt vier Monate alt, eine Schweizer Schäferhündin. Wenn sie vom Wesen her eher ruhig wird, kann sie gut im Hospiz eingesetzt werden. Kann aber auch sein, dass sie so verspielt bleibt, dann eignet sie sich besser als Therapiehund für Demenzkranke.

Menschenfreundin

Ich bin Krankenschwester und arbeite unheimlich gern mit Menschen. Wenn jemand krank kommt und gesund wieder geht, ist das schön zu sehen. Die Aussicht haben nur nicht alle. Was ist, wenn einer sein Gedächtnis verliert? Oder unheilbar krank ist? Mich bewegt unser soziales Miteinander. Wie bringt man Menschen zum Reden? Dass sie sich öffnen, Kontakte knüpfen, wieder Freude haben? Ich habe viele Bücher gelesen  und bin auf die tiergestützte Therapie gekommen. In fünf bis zehn Jahren wird das ein fester Bestandteil der Altenpflege sein, davon bin ich überzeugt. Momentan finanzieren wir alles selbst: die komplette Ausbildung, die Prüfung. Die meisten, die mit einem Therapiehund arbeiten, machen das zur Zeit ehrenamtlich. In Zukunft ist bestimmt normal, dass dafür bezahlt wird. Kranken Menschen geht es psychisch und zum Teil auch körperlich besser, wenn Tiere sie begleiten. Das ist erwiesen.

Seelentröster

Das Mindestalter für die Prüfung und den Einsatz als Therapiehund sind 18 Monate. Im Prinzip kann jede Rasse ausgebildet werden, auch ältere Hunde. Wichtig ist nur, dass der Hund frei von Angst und Aggressionen ist, wirklich Spaß am Einsatz hat und vor allem ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Besitzer.

Bald machen wir an der Nordsee einen Vorbereitungskurs für Welpen mit. Dort treffen wir auch Summers Schwester! Wir können dann herausfinden, ob die Charakterzüge für die spätere Arbeit da sind. Danach geht es mit der Ausbildung weiter.

Warum ich das alles mache? Hunde kommunizieren ganz anders mit Menschen als Menschen mit Menschen. Ein Hund hat keine Vorurteile, er freut sich einfach, wenn er gestreichelt wird. Hunde sind treu, sie lieben bedingungslos und wissen viele Dinge mehr zu schätzen als die meisten Menschen. Sie sind nicht so gierig wie wir, sie leben im Moment.

Text: Marion Paul

Wer mehr zur Ausbildung von Therapiehunden erfahren möchte, findet Informationen dazu beim Deutschen Berufsverband für Therapiehunde, beim Lernzentrum für Mensch und Hund oder bei Social Dogs, um einige Beispiele zu nennen. Für einen ganz praxisnahen Einblick findet sich hier ein Video.

Fotos: Sandra Konold

Marion mit Summer. Ihr Partner Reza unterstützt sie voll und ganz bei ihrem Vorhaben… ein engagiertes Trio im Einsatz für andere Menschen.

Marion Paul mit Summer (Schweizer Schaeferhund) und Reza Nikravi (v.l.n.r.) Fotoprojekt MENSCH UND HUND / Photoproject PEOPLE AND DOGS / Proyecto Fotografico GENTE Y PERROS Muenster, Germany / Deutschland / Alemania March / Maerz / Marzo 2017