Mercedes

Der Mercedes unter den Behinderungen

ist in Wahrheit ein Golf!

Immer mal wieder höre oder lese ich die Aussage, das Down-Syndrom sei der Mercedes unter den Behinderungen. Das soll heißen, es hat uns noch ganz gut erwischt. Es hätte ja viel schlimmer kommen können.

Ganz am Anfang, als wir grade wussten, dass unser Sohn das Down-Syndrom hat, sagte mein Mann: „Mercedes? Ich wollte lieber einen Porsche!“ Und wer kann es ihm verdenken? Warum nach einem Mercedes fragen, wenn man doch den flotten Porsche im Auge hat?

Heute würde ich eher sagen, wir fahren Golf. Nicht schneller als 80. Auch nicht auf der Autobahn. Das mag für Außenstehende oder andere Verkehrsteilnehmer nervtötend langsam sein. Irgendwie halten wir ja den Verkehr auf. Aber hey, was man alles sieht bei dem Tempo! Links und rechts gucken ist kein Problem. Da die Blumen, hier der schöne See. Und guck mal die Sonne überm Berg! Und wir kommen ja an. Nur eben viel später. Fragt uns nicht, wann. Das wissen wir nicht.

Die Ausstattung ist ok. Nicht luxuriös. Aber das macht nichts. Irgendwie gefällt uns das mittlerweile. Wir haben gelernt, darauf kommt es nicht so an. Andere fahren auch Golf. Und sind so nett. Wir erkennen uns von Weitem. Dann winken wir und lächeln. Und sind extrem entspannt. Macht auch nichts, wenn die in ihrem Porsche hupen. Wir wissen, Geschwindigkeit ist nicht alles. Und genug Platz zum Überholen ist ja auch. Wir kommen schon noch an. Und haben die Fahrt genossen.

Down-Syndrom70-2

Fotos: Merle Weidemann