Tausendsassa Hagebutte

 Vielkönner-Frucht

 

Hagebutten sind die Früchte wildwachsener Rosenarten. Im Gegensatz zu den weißen oder zart rosafarbenden Blüten der Sträucher und Büsche wirken die roten Beeren eher unscheinbar. Sie besitzen eine lederne Schale, tragen am unteren Ende einen braunen Blütenrest und in ihrem Inneren verbergen sie behaarte Nussfrüchtchen. Die wiederum sind bei Kindern sehr beliebt. Lässt sich daraus doch leicht ein sehr wirksames Juckpulver herstellen. Bei vielen Erwachsenen bleibt die Hagebutte eher unbeachtet. Zu Unrecht. Denn die auch als Hägen, Hiften, Rosenäpfel oder Hetscherl bekannten Früchte sind ein Vitamin- und Mineralstoffcocktail.

Vitamin-C-Bombe

Die Hagebutte besitzt mit ca. 500 mg/100g den höchsten Vitamin-C-Gehalt unter den einheimischen Früchten. Ihr Mark hat 20 mal mehr Vitamin C als eine Zitrone. Bereits ein Esslöffel davon deckt den täglichen Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen. Darüber hinaus sind die länglichen Beeren reich an Pro-Vitamin-A, aus dem der Körper das für die Sehkraft benötigte Vitamin A aufbaut, und an B-Vitaminen. Zusätzlich enthalten sie für den menschlichen Organismus wichtige Mineralstoffe wie Magnesium und Spurenelemente wie Zink und Kupfer sowie Gerbstoffe. Bei unseren Vorfahren war die Hagebutte sehr beliebt: Sie wurde bereits im Mittelalter in der Heilkunde verwendet. Traditionell behandelten die Kräuterfrauen und -männer mit den Extrakten aus den roten Früchten Magen- und Darmerkrankungen, Gallenbeschwerden, Gicht und Rheuma sowie Beschwerden der ableitenden Harnwege. Ob die Hagebutte hierbei tatsächlich eine heilende Wirkung besitzt, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Anders sieht das bei Erkältungs- und Infektionskrankheiten aus. Hier wirkt sich der hohe Vitamin-C-Gehalt durchaus positiv aus. Auch bei Zahnfleischbluten und Parodontose sowie gegen die Frühjahrsmüdigkeit und zur Stärkung des Immunsystems ist die Hagebutte durchaus empfehlenswert. Es gibt inzwischen zahlreiche Produkte, die aus Hagebutten gewonnen werden: Früchte- und Kräutertees, Mus oder Marmelade.

Verschönt Haut und Haar

Im Trend liegt außerdem Hagebutten-Kern-Öl, das wie der Name bereits verrät, aus den kleinen Nüsschen der Hagebutte gewonnen wird. Das Öl soll äußerlich oder als Kapsel innerlich angewendet Haut und Haare verschönern. Denn die enthaltende Retinsäure, auch Vitamin-A-Säure genannt, soll die Zellen unterstützen, die neue Bindegewebsfasern produzieren, und zugleich den Aufbau von Kollagen aktivieren. Darüber hinaus sagt man dem Hagebuttenöl eine positive Wirkung bei erhöhten Cholesterinwerten, bei Bluthochdruck und Arteriosklerose nach.

Hagebutten als Mus oder Tee

Die Hagebutte ist also ein wahrer Tausendassa. Doch die Natur macht es einem nicht so einfach, wenn man das gesunde Innere der Früchte selbst gewinnen möchte. Zunächst müssen die Kerne mit den borstigen Härchen entfernt werden. Einfacher geht das, wenn die Beeren zunächst in Wasser weich gekocht wurden. Danach streicht man sie durch ein Sieb oder passiert sie in der „flotten Lotte“. Fertig ist das Hagebuttenmus. Es bildet die Grundlage für die meisten Hagebuttenrezepte. Eine einfachere Methode, um die heilsame Frucht zu genießen, sind Tees. Hierfür werden die von den Kernen befreiten und getrockneten Schalen verwendet. Die Hagebutten reifen ungefähr im September, Oktober, die Früchte hängen aber oft bis ins Frühjahr hinein an den Sträuchern. Wenn sie sich leicht vom Stängel lösen und schon etwas weich sind, lassen sie sich am besten verarbeiten. Aber Vorsicht beim Pflücken: Die Hagebutte heißt nicht umsonst die „Frucht der Rose“. Die Äste haben feine Dornen, die sich in Kleidung und Hände haken.

Hagebutte im Frost;

Fotos: Merle Weidemann