Wolkentänzer

Ein Tanz an den Abgründen

 

Das Blau seiner Augen hatte vollkommen seinen Glanz verloren. Sein Blick hing starr im luftleeren Raum, als wäre er zu schwach, sich auf irgendetwas fixieren zu können. Als wäre jede weitere Information eine Folter für die heißgelaufenen und reizüberfluteten Synapsen.

Unter seinen Lidern lag ein dunkler Schatten, und seine Wangen hingen fahl und eingefallen von seinen Wangenknochen. Ich betrachtete ihn wortlos von der Seite. Wie er da kauerte, neben mir auf dem Sofa. Bewegungslos. Bis auf das Beben seines Atems, der ihn langsam sich aufbäumen und wieder in sich zusammenfallen ließ, einem Wolkentänzer gleich, dem man im Takt das Gebläse an- und ausknipst. Nur dass ihm der geringste Grund zum Tanzen fehlte. Bei jedem Ausatmen füllte sich die Luft um uns ein wenig mehr mit Trostlosigkeit und Schmerz. Ich nahm seine Hand in meine, und er reagierte fast unmerklich mit einem sanften Streicheln.

»Das müssen wir desinfizieren.«

Die Worte hingen mir zäh in der Kehle und konnten sich nur als zittriges Flüstern durch meine Stimmbänder zwängen. Ich blickte auf die offene, eitrige Wunde seiner Hand. Es hatten sich Brandblasen gebildet, und an den Rändern hingen Reste kalter Asche.

In memoriam der Zigarette, die hier ihr bitteres Ende fand.

 

Foto: Sandra Konold
Text: Philla