Würzige Weihnacht

Gesundes aus der Backstube

 

Anis und Zimt, Muskat, Nelken und Kardamom: Die verführerischen Gewürze gehören zum Advent dazu wie Kerzen oder Tannenschmuck. Doch ihr feines Aroma hebt nicht nur die Stimmung, sondern wirkt sich auch wohltuend auf den Körper aus. Denn die in Europa als Weihnachtsgewürze bekannten Samen, Knospen und Körner besitzen allesamt heilende Eigenschaften.

Doch in welcher Form wirken Zimt, Nelken und Co. am besten? Grundsätzlich gilt: Für die Gesundheit ist es unerheblich, ob die Gewürze frisch oder getrocknet sind. Allerdings sollten sie nach Möglichkeit erst unmittelbar vor dem Backen gemahlen, gerieben oder zerstoßen werden, da bei vielen das Aroma relativ schnell verfliegt. Die Dosierung kann sparsam sein. Oft sorgt bereits eine Messerspitze für Geschmack und Wohlbefinden. Einen Arzt kann die sanfte Heilkraft der Naturmittel allerdings nicht ersetzen. Aber sie kann Krankheiten vorbeugen, kleinere Beschwerden mildern oder nach Absprache mit dem Arzt eine Therapie unterstützen. 

Anis – beliebt bei den Römern

Anis ist eng mit Fenchel, Kümmel, Koriander und Dill verwandt. Seine Herkunft ist nicht genau bekannt. Vermutlich stammt er aus dem Orient und breitete sich von dort über die Mittelmeerländer bis nach Nordeuropa aus. In Deutschland kommt er nur als Kulturpflanze in den Kräutergärten vor. Sein angenehm süß-aromatischer Geruch und den würzig-frischen Geschmack wussten bereits vor Jahrtausenden die Ägypter und Römer zu schätzen. So fand man bei Ausgrabungen im römischen Kolosseum Anisfrüchte, die wahrscheinlich Zuschauer der Gladiatorenkämpfe verloren hatten. Mit den Römer erreichte Anis Europa. Hier entdeckte man schnell die unterschiedlichen Heilkräfte der Körner, die in den Anisfrüchten reifen. Anis fördert den Appetit und wirkt wohltuend auf Magen und Darm. Außerdem lindert er Husten und Bronchitis und wird traditionell verabreicht, um bei stillenden Müttern die Milchbildung zu fördern.

Kardamom – die Königin der Gewürze

Kardamom gehört zur Familie der Ingwergewächse. Er stammt aus Südindien und Sri Lanka. Hier nennen ihn die Menschen seit jeher die „Königin der Gewürze“ – wegen seines feinen und charakteristischen Aromas und des süßlichen, kräftig brennenden Geschmacks. Bis heute ist Kardamom eins der meist geschätzten Gewürze der Welt und nach Safran und Vanille das drittteuerste. Nach Mitteleuropa kamen die Samen der buschig-krautigen Pflanze jedoch erst um 1200. Seine Heilwirkung taucht erstmals in den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts auf. Damals wie heute verwendet man das edle Gewürz am besten frisch. Deshalb empfiehlt es sich, die Samen in der Kapsel zu kaufen und nur die benötigte Menge zu mahlen. Die Qualität lässt sich an der Farbe bestimmen: Sattgrüne Kapseln sind hochwertiger als die blassgrünen oder weißlich-gelben. Kardamom fördert nicht nur die Verdauung, sondern beruhigt auch Blähungen. Darüber hinaus regt er den Kreislauf, den Hormonhaushalt und den Appetit an.

Muskat – die Nuss, die keine ist

Die Muskatnuss heißt zwar Nuss, ist aber tatsächlich eine Beere. Diese verbirgt unter ihrem Fruchtfleisch einen Kern, der von einem rötlichen Samenmantel umhüllt ist. Der Kern enthält den ölhaltigen Samen, die so genannte Muskatnuss. Der Samenmantel heißt umgangssprachlich Muskatblüte oder Macis. Frisch gerieben eignet sich der Samen für zahlreiche Gerichte und fürs Weihnachtsgebäck. Die Inder stellen aus ihm eine Salbe her, die Hautleiden wie Ekzeme oder Flechten lindern soll. Die Homöopathie verwendet Muskat unter anderem bei Gastritis, Magenverstimmung oder nervösen Beschwerden. Nach Europa gelangten die „Früchte“ des Muskatnussbaums vermutlich mit den Kreuzfahrern. Seine Heimat liegt auf den Banda-Inseln und auf den nördlichen Molukken. Heute werden die Bäume vorwiegend in Südamerika, Asien und Afrika kultiviert.

Nelken – Schutz gegen die Pest

Ihren deutschen Namen trägt die Gewürznelke wegen ihres Aussehens. Denn die nicht geöffneten Blütenknospen des Nelkenbaumes erinnern an Nägel. Im Laufe der Zeit verwandelte sich das mittelalterliche Wort Nägelein in Nelke. Die stark duftenden und brennend scharf schmeckenden Knospen stammen ursprünglich von den Molukken. Die Römer brachten sie erstmals nach Europa, als bekanntes Heilmittel verbreiteten sie sich aber erst ab dem frühen Mittelalter. So trugen beispielsweise Ärzte als Schutz vor der Pest Ketten aus Nelken um den Hals. Heute verwendet man Nelkenöl in der Zahnmedizin z. B. bei Entzündungen der Mundschleimhaut. Außerdem sind Nelken magenfreundlich und bringen die Verdauung in Schwung, indem sie die Bildung von Magensaft fördern.

Zimt – gewonnen aus Baumrinde

Zimt ist eines der ältesten Gewürze. Die Chinesen verwenden ihn seit mindestens 4500 Jahren. Er wird gewonnen, indem man die Rinde dünner Zweige des Zimtbaumes abschält, trocknet und ineinander rollt. Zur Gattung der Zimtbäume gehören rund 270 Arten, von denen einige zur Zimtgewinnung genutzt werden. Der beste Zimt ist der Cylon-Zimt, der aus der Rinde des Echten Zimtbaumes hergestellt wird. Die gute Qualität erkennt man an der hellen Farbe sowie an den feinen Rindenschichten. Je dünner sie sind, desto besser ist in der Regel der Geschmack. Hauptanbaugebiet ist Sri Lanka. Seit wann Zimt in Europa als Heilmittel verwendet wird, ist nicht genau bekannt. Fest steht, dass bereits die heilkundige Nonne und Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) das süßlich-scharfe Gewürz hoch schätzte. Sie erkannte seine allgemein stärkende Wirkung, aber auch wie bekömmlich seine ätherischen Öle für den Magen-Darm-Trakt sind. Zudem empfahl sie Zimt bei hormonellen Störungen.

 

Rezepte

Gewürzkekse

150 g Margarine
150 g Zucker
1 Ei
50 ml Sirup (Ahorn- oder Zuckerrübensirup)
300 g Mehl
1 TL Zimt
1 – ½ TL Ingwer
1 TL Backpulver
1 Messerspitze gemahlene Gewürznelken
1 Prise Salz

Margarine und Zucker verrühren. Das Ei hinzugeben und ungefähr eine halbe Minute lang unterrühren. Danach den Sirup einlaufen lassen und alles gründlich mixen.

Mehl, Backpulver, Zimt, Ingwer, Gewürznelken sowie Salz vermischen und esslöffelweise in das Margarine-Zucker-Gemisch rühren. Aus dem Teig Bällchen von zwei bis drei Zentimetern Durchmesser formen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen. Bei rund 180 Grad Celsius ungefähr 15 Minuten backen. Tipp: Kekse vor dem Backen in weißem Zucker wälzen.

 

Zimtplätzchen

1 Vanilleschote
210 g Mehl
1 TL Backpulver
2 ½ TL Zimtpulver
110 g Margarine
90 g Zucker
1 Vanillezucker

Für den Guss:
45 g Puderzucker
10 ml Rum
1 TL Wasser

Vanilleschote längs halbieren, Mark herauskratzen und mit Mehl, Backpulver und Zimt mischen. Margarine, Vanillezucker und Zucker verrühren und das Mehlgemisch unterkneten. Teig ausrollen, weihnachtliche Motive ausstechen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen. Plätzchen im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad Celsius rund 10 Minuten backen, dann auskühlen lassen. Puderzucker mit Rum und Wasser verrühren und Zimtplätzchen damit bestreichen. Tipp: Wenn Kinder mitessen, statt des Rums Zitronensaft verwenden.

 

Foto: Sandra Konold