Begegnungen

Beim Stadtbummel durch Verona hinterlassen wir einen Security Guard weinend.
Remy war begeistert von seiner Uniform und Ausrüstung. Hat ihn freudig mit seinem typischen: „Hallo, na!“ begrüßt, mit ihm geschäkert, ihn angestrahlt und ihm beim Abschied viele Kusshände zugeworfen. Ada tat es ihm nach.
Beim Weggehen sah ich, dass er seine Sonnenbrille abgenommen hatte und sich die Augen wischte. Das Gesicht vom Weinen ganz rot.
Ein junger Mann, Typ Tom Cruise in Top Gun, sogar mit passender Fliegerbrille. Die Gründe für seine Tränen kennen wir nicht. Aber seine Reaktion auf meine Kinder hat mich tief bewegt.

Es sind die Begegnungen, die mit unserem Sohn mit Down Syndrom anders verlaufen, als mit den Kindern mit Normalsyndrom. Er ist schneller, näher, direkter und hat keine Scheu. Hätte er zu dem Zeitpunkt nicht schon bei einer italienischen Mama auf dem Motoroller gesessen, dann hätte er dem Security Guard sicher eine seiner langen, tröstenden Umarmungen gespendet und sich erkundigt, ob er Schmerzen habe und einen Arzt bräuchte („aua, weh, Arzt?“).

Auf die Begegnung mit der Besitzerin des Motorrollers folgte kurz später ein Einkauf, bei dem er einer älteren Dame in der Kassenschlange aus dem Einkaufswagen heraus lange die Hand hielt. So lange, bis sie beiden Kindern ein Überraschungsei spendierte.
Egal, wo wir sind und wem wir begegnen, sehr direkter und naher Kontakt mit Wildfremden ist uns gewiss. Ob sie Gucci Handtaschen tragen oder Schnapsflaschen, interessiert Remy nicht. Alle werden gleich freudig begrüßt.

Wenn unserem Sohn eins nicht fehlt, dann ist es die Fähigkeit, andere Herzen zu erwärmen und Menschen für sich einzunehmen. Wer nach einer Begegnung mit ihm weiter geht, tut dies mit einem Lächeln.

Fotos: Merle Weidemann