Schöne Sprache

Die richtigen Worte im Job

 

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ Diese Volksweisheit ist im Job nicht immer der beste Rat. Im Berufsalltag kommt es auf die Kommunikation an – mit Kunden, Kollegen, Vorgesetzten oder Dienstleistern. Deshalb sollte man seine Worte mit Bedacht auswählen. Die Art, wie gesprochen wird, beeinflusst die eigene Ausstrahlung und damit letztlich den Erfolg im Beruf. Das bedeutet aber nicht, in eine unechte und gestelzte Sprache verfallen zu müssen. Bleiben Sie sich selbst treu, nur polieren Sie Ihre Wortwahl fürs Büro etwas auf – genauso wie Sie morgens für den Job taugliche Kleidung aus dem Schrank ziehen.

Dresscode für die Sätze

Aber welcher Dresscode gilt für die Sprache? Die Grundregel lautet: Drücken Sie sich klar aus und formulieren Sie Ihre Sätze positiv. Sagen Sie also nicht: „Ich weiß nicht, ob ich die Präsentation bis Mittwoch schaffe“, sondern „Ich werde versuchen, die Präsentation bis Mittwoch fertig zu stellen.“ Das kommt beim Zuhörer besser an und fördert die eigene Motivation. Psychologen haben sogar herausgefunden, dass sich über positive Formulierungen langfristig die innere Einstellung verbessert. Gleiches gilt, wenn Sie über sich selbst sprechen. Bezeichnen Sie sich zur allgemeinen Belustigung der Kolleginnen häufig als Schussel, so werden Sie über kurz oder lang selbst daran glauben und Ihnen werden immer öfter kleine Missgeschicke passieren. Hüten Sie sich außerdem vor allzu bildlichen Ausdrücken. Wer überall erzählt: „Der Chef hat mir meinen Stundenzettel um die Ohren gehauen“, der steht beim Reden da wie geschlagen. Nun müssen Sie aber nicht dauernd gut von sich reden und jede missglückte Situation als gelungen verkaufen. Hören Sie sich gelegentlich selbst beim Reden zu, straffen Sie die Schultern und drehen Sie den einen oder anderen Satz einfach mal ins Positive.

Starke Worte machen stark

„Du bist was du sagst“, gilt auch für die Wortwahl. Denn die Art, wie man ein Wort hinter das andere reiht, beeinflusst die Gefühle und Gedanken – und den Eindruck, den man beim Gegenüber hinterlässt. Streichen Sie also umständliche Substantivierungen wie “Versendung” aus Ihrem Wortschatz und sprechen Sie besser von „versenden“. Ebenso leicht lassen sich Hilfsverben wie „ist“ oder „haben“ hinauswerfen und durch aussagekräftigere Vollverben ersetzen. Ein Beispiel: „Er kommt aus München“ wirkt mehr als „Er ist aus München“. Völlig überflüssig sind Füllwörter. Sie blähen die Sprache unnötig auf und schmälern der Wert der Sätze. Setzen Sie also bei scheinbar harmlosen Wörtern wie „vielleicht“, „ein bisschen“ oder „irgendwie“ den imaginären Rotstift an. Denn jemand, der ganz sicher „eine gute Idee“ hat, wird eher angehört als derjenige mit „vielleicht einer guten Idee“. Ein weiterer Kandidat für ausschweifende Satzungetüme sind Konjunktive. Manchmal sind die höflichen „würde“, „hätte“, „könnte“ tatsächlich angebracht, doch allzu oft schleichen sie sich an unpassenden Stellen ein. Ein Klassiker ist: „Ich würde mich gerne bei Ihnen bewerben“. Viel stärker klingt „Ich bewerbe mich bei Ihnen.“

Der Griff in die Trickkiste

Wenn Sie in Ihren Sätzen ordentlich aufgeräumt haben, sollten Sie noch ein paar Tricks in Ihr Repertoire aufnehmen, die für eine gute Gesprächsatmosphäre sorgen. Dazu gehören: Widmen Sie Ihrem Gegenüber Ihre volle Aufmerksamkeit und erledigen Sie nichts nebenbei. Das gilt fürs Telefonat ebenso wie für persönliche Gespräche. Reden Sie die Leute mit Namen an – ohne ständig „Frau Müller“ oder „Herr Schmidt“ zu wiederholen. Bedenken Sie, weniger ist hierbei mehr. Wer seinen Namen mehrmals hintereinander hört, reagiert eher verärgert als geschmeichelt. Nicht oft genug können Sie hingegen Ihren Gesprächspartner direkt anreden, indem Sie vom „Ich“ zum „Sie“ wechseln. Ein Beispiel: Statt „ich mache gleich noch Ihre Rechnung fertig“, formulieren Sie „Sie erhalten gleich noch Ihre Rechnung“. Und sollten Ihnen die richtigen Worte mal nicht einfallen, ist das keine Schande. Holen Sie tief Luft, lächeln Sie und warten Sie, bis Sie die Sprache wieder gefunden haben. Meistens dauert dass nur wenige Sekunden – die Ihr Gesprächspartner gut nutzen wird, um sich selbst zu entspannen und zu sammeln.

Sag das nicht: Die absoluten Gesprächskiller

Zwanghaft witzige Sprüche: „Zum Bleistift“, „Alles Klärchen“, „Tschüssikowsky“. Sie sind nicht lustig, sondern einfach nur nervig.
Sinnlose Verneinungen: „Ganz okay“ oder „Nicht schlecht“ wirken unentschieden und kraftlos. Als Lob haben sie sogar einen negativ Beigeschmack.
Überkandidelt: „Tausend Dank“ oder „Mit dem größten Vergnügen“ sind zu viel des Guten. Oft lösen sie beim Zuhörer Argwohn aus statt Sympathie.
Höfliche Konjunktive: „Würde“, „hätte“, „könnte“. Manchmal sind sie angebracht, doch meistens sind so gebildete Sätze einfach nur langweilig und gestelzt.
Jammern: Ein bisschen Jammern bei der Kollegin in der Kaffeeküche gehört dazu. Doch Vorsicht: Wer dauernd klagt, wirkt negativ, schlimmstenfalls sogar überfordert.

Foto: Nicole Hein