Steintelefon-Sebastian-Frie

Steinzeit-Telefon

Neulich – Hausaufgaben für Geschichte: Alte Gegenstände mitbringen und ihre Funktion erläutern.

Ich wollte meiner Tochter ein ausgedientes Bürotelefon mitgeben, mit Schnur und Wählscheibe. Fand sie nicht so prickelnd. Spannend am Thema Telefon finde ich, wie schnell sich der Alltag damit geändert hat: Wer erinnert sich heute schon noch an die günstigen Vorwahlnummern und die Zeiten, in denen man sich nachts um 2 Uhr einen Wecker gestellt hat, weil es dann eine Stunde lang am günstigsten war, mit Freunden in einer anderen deutschen Stadt zu telefonieren? Und an die Zeiten, als wir zig Telefonnummern auswendig konnten?

Überhaupt: ein Telefon zum Telefonieren benutzen – wer macht das heutzutage schon noch? Und dass nur diese Funktion damit möglich war … Und das wir Ärger mit unseren Eltern wegen zu hoher Telefonrechnungen hatten oder weil wir zu lange die eine Leitung blockiert haben – angesichts von Flatrates und mehr Apparaten als Familienmitglieder in den meisten Haushalten klingt das wie ein utopischer Vergangenheitsroman.

Und dennoch: Selbst Kleinkinder erkennen in den dudelnden Plastikspielzeugen zum Nachziehen mit Schnur und Hörer sofort ein Telefon und halten ihn sich ans Ohr. Oder einen Stein, der wie ein Telefon aus der Steinzeit aussieht. Ob wir das mit der Kommunikation irgendwie genetisch einprogrammiert haben?

 

Meine Tochter hat dann schließlich noch einen rund einhundert Jahre alten Fotoapparat gefunden, der meinen Großvater auf der Walz durch Italien begleitet hat – fand ich auch viel cooler …

Foto: Sebastian Frie