Von wegen Unkraut!

Streng genommen trägt Unkraut seinen Namen zu Unrecht. Denn wild wachsende Pflanzen sind nicht nur als Tisch- oder Wohnzimmerdekoration schön, sondern viele sind sogar essbar. Zu den nützlichen Multitalenten gehören vor allem Gänseblümchen, Kamille, Löwenzahn, Holunder, Hirtentäschel, Wiesenkerbel oder Schafgarbe.

Auf zur Wildkräuter-Jagd

Wir sind mittlerweile zu wahren Wildkräuter-Jägern geworden. Bei Nieselregen oder Sonnenschein pirschen meine Jungs und ich mit einem kleinen Eimer bewaffnet durch die heimische Wiesenlandschaft. Hier wird ein Gänseblümchen geschossen, dort ein Hirtentäschel-Blümchen oder ein Wegerich-Blättchen abgezupft. Wieder daheim angekommen, freuen sich unsere Meerschweinchen über die mitgebrachten Leckereien. Die beiden Tiere haben uns erst darauf gebracht, dass draußen viel mehr als Gras steht. Das mampfen die kleinen Nager zwar ebenfalls weg, aber als meine Kinder immer öfter fragend ein Pflänzchen in die Höhe hielten: „Dürfen die Meerschweinchen das fressen?“, habe ich angefangen, mich genauer mit dem, was alles in Wald und Flur wächst, zu beschäftigen. Und meine Kinder gleich mit. Noch sind wir keine Experten, aber wir lernen täglich dazu – sehr zur Freude unserer neuen Haustiere.

Gesund als Salat, Öl oder Tee

Wer sich mit Wildkräutern befasst, bemerkt sehr schnell, dass beispielsweise Brennnessel, Schafgarbe, echte Kamille, Löwenzahn und Gänseblümchen auch für Menschen gesund sind: entweder als Salat, feines Kräuteröl oder Tee. Brennnessel und Löwenzahn sind sogar sehr bekömmlich. Sie enthalten verdauungsfördernde Bitterstoffe, die wegen ihres Geschmacks aus den meisten Kulturpflanzen herausgezüchtet wurden. Außerdem sind jede Menge Vitamine, Spurenelemente und Mineralsalze enthalten: In Brennnesseln kommt beispielsweise doppelt so viel Eisen vor wie in Spinat.

Im Kühlschrank aufbewahren

Und so wird die gesammelte Beute für die Küche verwendet: Unzerkleinerte Pflanzenteile waschen und mit Küchenpapier trocken tupfen. Kräuter, die nicht sofort verbraucht werden, ein bis drei Tage im Gemüsefach des Kühlschranks lagern. Damit sie frisch bleiben und sich das Aroma hält, wickelt man die Kräuter am besten in ein feuchtes Geschirrhandtuch. Unmittelbar vor dem Verzehr werden sie dann je nach Vorliebe gehackt, zerrieben oder geschnitten. Um sich vor dem Fuchsbandwurm zu schützen, sollten an gefährdeten Stellen gesammelte Pflanzen vor dem Verzehr mindestens zwei bis drei Minuten bei 70 Grad erhitzt werden.

Trocknen als Alternative

Wenn Wildkräuter nicht frisch verwendet werden, ist Trocknen eine Alternative – übrigens auch bei Kräutern, die im Winter den Speiseplan der Meerschweinchen bereichern sollen. Dazu werden die ungewaschenen Kräuter – nach Pflanzenarten getrennt – zu einem Strauß gebunden und kopfüber an einem luftigen und schattigen Ort aufgehängt. Einzelne Pflanzenteile kann man auf Packpapier oder Gitterrost trocknen. Aber das tägliche Wenden nicht vergessen! Nach acht bis zehn Tagen sollten die Pflanzenteile oder Sträuße vollständig getrocknet sein. Aufbewahrt werden sie anschließend in gut verschließbaren Gefäßen, die sie vor Licht, Staub und Feuchtigkeit schützen.

 

 

Tipps zum Sammeln von Wildpflanzen
  • Nehmen Sie nur Pflanzen, die Sie sicher kennen. Ein gutes Bestimmungsbuch, die Teilnahme an lokalen Kräuterwanderungen erweitern die Kenntnisse.

  • Sammeln Sie abseits von stark befahrenen Straßen oder Hundewiesen.

  • Achten Sie auf den Natur- und Artenschutz. Manche Pflanzen dürfen nicht gepflückt werden. Auch ist das Sammeln in Naturschutzgebieten verboten.

  • Nehmen Sie nur so viele Kräuter mit, wie Sie verbrauchen können. Machen Sie keinen „Kahlschlag“. Sie sollten immer einige Pflanzen stehen lassen, damit sich der Bestand wieder erholen kann.

  • Sammeln Sie vor allem junge Blättchen und Triebspitzen, da sie zart sind und am besten schmecken. Blätter und Triebspitzen sollten unversehrt, gesund und möglichst sauber sein.

  • Benutzen Sie ein scharfes Messer oder eine scharfe Schere. Das schont die Pflanze.

  • Als Sammelgefäß eignet sich ein kleiner Korb, den Sie mit einem Tuch abdecken. Alternativ bietet sich ein Leinensäckchen an. Achten Sie aber darauf, dass die Kräuter im Beutel nicht gedrückt werden.

  • Sammeln Sie Kräuter, die getrocknet werden sollen nur, wenn es drei Tage zuvor nicht geregnet hat. Nasse Pflanzen trocknen schwerer und schimmeln leicht.

 

Foto: Nicole Hein