Wall Street

Hinter der Mauer

 

Das war einer von mehreren Orten, an denen ich mich beklommen aufgehalten habe, von wo ich bedrückt wieder gegangen bin. In dem Haus, das von drei Seiten ummauert ist, wohnen meinen Informationen nach Claire und Johnny, arabische Christen. Sie leben in Bethlehem, ihr Haus ist von einem Betonwall umgeben und gleicht einem Freiluftgefängnis.

Vorher

Früher soll der Blick auf Olivenbäume frei gewesen sein. Das dreistöckige Haus lag einst an der Hauptschlagader der Stadt. Restaurants, Cafés, Geschäfte – ein quirliges Viertel. Claire hatte einen Dekorationsladen im Erdgeschoss, Johnny eine Autowerkstatt.

Nachher

2001 wurde die Gegend von Israel zur Militärzone erklärt. Das Haus des Paares lag zwischen einem palästinensischen Flüchtlingslager und dem Posten von israelischen Soldaten, zwischen den Fronten sozusagen. An Weihnachten 2005 wurde mit dem Bau der neun Meter hohen Mauern begonnen… mit nur drei Metern Abstand zum Haus. Aus jedem Fenster blickt man auf eine graue Wand. Nur aus dem oberen Stockwerk lässt sich noch ein schmaler Streifen am Himmel sehen.

Status Quo

Ihre früheren Läden haben Claire und Johnny schließen müssen. Aus der belebten Hauptstraße von damals ist eine triste Sackgasse geworden. Heute gibt es dort einen kleinen Souvenirladen und eine Pension. Die Familie macht ihr Bestes aus der tragischen Situation.

Wer eine Reise nach Bethlehem plant und gerne herzliche Menschen vor Ort unterstützt, zudem mit einer simplen und sauberen Unterkunft zu sehr moderatem Preis zufrieden ist, kann bei den beiden hier seine Übernachtung buchen.

 

Foto: Sandra Konold

Die Bewohner des Hauses waren nicht anzutreffen, als ich vor Ort war. Gerne hätte ich sie direkt zu ihrer Situation befragt. Einen Teil der Informationen habe ich aus dem Sympathie-Magazin ‘Israel verstehen’ entnommen.