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Winterschlaf

Im Texttreff, dem Netzwerk wortstarker Frauen, gibt es eine schöne Tradition rund um den Jahreswechsel: Das Blogwichteln. Auch zwei Netzwerk-Blog-Schreibende sind im Texttreff, und in diesem Jahr bewichtelt uns die liebe Kollegin Morgana Hack mit einem Beitrag, der so gar nicht zum Gähnen ist:

Winterschlaf

Laubhaufen-Herbst-Sebastian-Frie-Blog„Schlaf gut! Wir sehen uns dann im Frühling wieder!“ Das ist ein Gruß, den wir Menschen uns nicht sagen. Denn wir halten keinen Winterschlaf, wie viele Tiere das im Winter tun. Wirklich nicht? Könnten wir es denn? Wäre das nicht praktisch? Einfach den ganzen Weihnachtsstress und die Erkältungssaison verschlafen… ab und zu aufstehen, ein paar Kekse knabbern. Schnell zurück ins Bett unter die Daunendecke.

Der Igel macht es uns vor. Drei bis vier Monate lang, von November bis März hält er Winterschlaf. Eingekuschelt in eine Höhle voller Heu und Blätter wacht er nur alle ein bis drei Wochen auf. Nimmt etwas Nahrung und Wasser zu sich, und schläft weiter. Die meiste Zeit des Winters verschläft er so gemütlich. Körpertemperatur, Herz- und Pulsfrequenz und Stoffwechsel hat er stark reduziert. Über eine Hormonausschüttung in der Hirnanhangsdrüse kann er wieder aufwachen. Doch Vorsicht! Igel und andere Winterschläfer wie Murmeltiere, Siebenschläfer und Haselmäuse sparen durch ihren Winterschlaf Kalorien. Wenn sie künstlich oder zu oft aufgeweckt werden, können sie verhungern!

Wissenschaftler entdeckten: auch der Mensch hat ein Winterschlaf-Gen. Doch wir Menschen können uns nur in höchster Not in den Winterschlaf versetzen. Es gibt Berichte von Menschen, die durch ein Bergunglück verschüttet und erst einige Wochen später gerettet wurden. Sie überlebten die eisige Kälte ohne Nahrung und Wasser in einem „Torpor“. Diese körperliche Starre bringt eine stark gesenkte Körpertemperatur und Stoffwechselaktivität mit sich. Dem echten Winterschlaf ganz ähnlich.

Die meisten Menschen haben verlernt, sich die Natur zum Vorbild zu nehmen. Im Winter steht die Zeit still. Die Laubbäume werfen ihre Blätter ab. Viele Pflanzen verbringen den Winter unterirdisch, um im Frühling neu aus der Erde zu sprießen.

Zweighaufen-Herbst-Sebastian-Frie-kleinDas Reich der Natur können wir imitieren. Denn vor allem im Winter tut es gut, kürzer zu treten und sich einzuigeln. Zeit für Besinnung. Mit einer Tasse Tee vor dem Kaminfeuer sitzen und ein gutes Buch lesen. Ein langsamer Spaziergang in der winterlichen Natur. Achtsam sein. Jede Nacht acht bis neun Stunden schlafen. Ein Wochenende ohne Termine. Zeit für Meditation und Yoga. Dann bleiben auch die Erkältungen weg.

Jeder Mensch ist ein kleines Ökosystem, das selbst im großen Ökosystem namens Natur eingebettet ist. In unseren Häusern, hinter verschlossenen Türen und mit laufenden Heizkörpern, bekommen wir es nur nicht mehr mit. Wir haben genug Nahrungsmittel im Vorratsschrank oder im Supermarkt um die Ecke. Deshalb können wir ohne Winterschlaf überleben. Wir müssen nicht Kalorien sparen. Wir sind nicht auf Winterschlaf angewiesen. Aber wir dürfen mehr schlafen, mehr ruhen, faul sein, mehr Stille Nächte genießen. Es ist natürlich und gesund, sich die Natur zum Vorbild zu nehmen. Schlafe gut, und träume süß!

 

Morrgana-Hack-Emerson-BaileyText: Morgana Hack. Sie arbeitet als freiberufliche Medizinjournalistin. Ihr besonderes Anliegen als Ärztin und Umweltschützerin gilt einem Gesundheitssystem, das im Einklang mit der Natur steht. Mit Medizin im Blatt schreibt sie für mehr Nachhaltigkeit in der Medizin.

 

Zeichnung und Fotos: Sebastian Frie

Porträtfoto: Emerson Bailey

 

Im letzten Jahr hat übrigens Heike Baller einen tollen Gastbeitrag über Jo geschrieben – es ist wirklich eine schöne Blogwichtelaktion …